Isolde und der Hund

Obwohl Isoldes Mann Udo mit Begeisterung und Leidenschaft in grauer Vorzeit Dackel gezüchtet hatte, hat es Isolde nicht so mit Hunden. Sie beruft sich seit jeher auf ein Erlebnis aus ihrer Kindheit, beidem sie schwört dabei gewesen zu sein wie ihre Schwester Siglinde von einem Hund in die Finger gebissen wurde. Siglinde sagte mir zwar einmal hinter vorgehaltener Hand, dass das gar nicht so schlimm war, und nicht mal einen Kratzer davon hatte, aber auf eine Diskussion mit Isolde möchte ich mich da nicht einlassen.

An einem Tag im Herbst, meinem Geburtstag, veranstaltete ich ein Kaffekränzchen zu meinen Ehren und natürlich durfte Isolde dabei nicht fehlen. Es war noch schönes Wetter draußen und ich entschied mich, den Kuchen auf der Terrasse zu servieren. Meine kleine Hündin durfte im eingezäunten Garten ihre Runden drehen und nach und nach trudelten die ersten Gäste ein. Als Isolde meine Hündin sah, wurde sie ganz nervös und fing bei der kleinsten Berührung an, wie verrückt zu kreischen. Der Tag gestaltete sich so zu einem Spießrutenlauf für Isolde und auch für meine Hündin, bis sie sich entschied, den Tag in ihrem Körbchen im Haus zu verbringen. Also die Hündin. Nicht die Oma.

Nach diesem Tag erkannte ich schnell, dass ich mit dem Hund und mit Isolde noch einige Arbeit vor mir hatte. Ich wollte es einfach nicht hinnehmen, dass meine liebste Hündin und meine liebste Isolde sich nicht mögen, und begann mir deshalb eine Art Therapie aus zu denken, die beide etwas näher bringen sollte.

„Wenn sie sich kennen, werden sie sich mögen“ dachte ich, und suchte mir nun vor jedem Besuch bei Isolde einen Vorwand aus, meine Hündin mit zu bringen. Das war am Anfang noch ziemlich einfach. Mal musste ich auf dem Rückweg beim Tierarzt vorbei, oder ich hatte ein Treffen mit anderen Hunden zum Spielen ausgemacht. Nach „ich hatte vergessen, dass sie sich nicht leiden können“ gingen mir dann allerdings die Ausreden aus und ich erfand Geschichten, dass sich Nachbarn über ihr Gebelle aufregen würden, wenn ich nicht da bin oder ich Handwerker im Haus hätte. Auf kurz oder lang nutzte es aber nichts: Ich musste die beiden alleine lassen, damit sie sich besser leiden können.

Da kam mir die Hochzeit meiner Cousine gerade gelegen. Alle Verwandten und Bekannten mütterlicherseits würden anwesend sein, und niemand da, der den Hund in den Garten lässt. „Isolde, du und dein Mann Udo, ihr hattet doch früher so viele Hunde und wisst doch, wie das geht… Könntet ihr nicht…?“ Ich achtete penibel darauf, dass Udo meine Frage auch zu hören bekam, und der war sofort Feuer und Flamme:“ Klar machen wir das!“

Mit einem mulmigen Gefühl brachte ich das Tier am Tag der Hochzeit mit Sack und Pack vorbei, ließ alle denkbaren Telefonnummern bei Isolde und hoffte einfach, sie würde sie nicht irgentwo aussetzen.

Man kann sich vorstellen, dass das Verhältnis der beiden mich die ganze Feier über beschäftigte und mir keine Ruhe ließ, sodass ich schließlich am frühen Abend schon die Heimreise antritt und so schnell wie möglich meine Hündin bei Isolde abholen wollte.

Ihr Mann Udo öffnete mir die Tür und schien überrascht. „Sie haben sich grad hingelegt!“, sagte er und führte mich zu Isolde ins Wohnzimmer.Ich traute meinen Augen nicht, als ich sah, wie meine Hündin unter der Decke hervorlugte und wohl aus Isoldes Schoß geschlafen hatte. „Kinder, ist das ein lieber Hund!“

 

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