Isolde geht einkaufen

Isolde entstammt einer Generation, deren Kindheit und Jugend geprägt war von Verzicht und Entbehrungen. Kein Wunder also, dass Isolde es nun im Alter genießt zu konsumieren und bei Sonderangeboten in die Vollen zu greifen.

So wurde ich an einem Tag im Winter Zeuge eines immensen Hamsterkaufes, der mich eines wissen ließ: sollte es jemals Nahrungsmittelengpässe geben, bei Isolde könnte eine vierköpfige Familie locker durch den Winter kommen, ohne das Haus verlassen zu müssen und Hunger zu leiden.

Ich war in Isoldes Wohnung um ihr etwas beim Saubermachen zu helfen. Isolde war mit ihre Mann Udo unterwegs, um einen Monatseinkauf zu machen und alle Sonderangebote, die sie sich vorher sauber und ordentlich in den Prospekten angekreuzt hatte, einzukaufen.

Ich war den ganzen Morgen damit beschäftigt, Isoldes sorgsam verlegten Laminatboden zu pflegen und keine Stelle aus zu lassen. Isolde hatte mich einmal an einem Samstag im Sommer dabei erwischt, wie ich den Teppich nicht genügend hoch gehoben hatte, um darunter zu wischen. Die Bilder, wie sich die reinliche Isolde mit schmerzender Hüfte und wehen Knochen die Mühe macht, sich zu bücken und unter dem Teppich zu wischen, möchte ich mir seither ersparen. Also habe ich für mich beschlossen: wenn ich ihr schon beim Putzen helfe, dann mache ich es richtig und gebe mir seither extra viel Mühe.

Ich war gerade dabei, ihr ohnehin sauberes Schlafzimmer zu saugen, da hörte ich Gespräch vor der Haustür und ging zur Einfahrt, um ihr beim Ausräumen zu helfen.

Da ich auch jede Woche für zwei Personen einkaufen muss, rechnete ich mit einem Wäschekorb voll mit Nudeln, Gemüse und etwas Fleisch. Ich vergas jedoch, dass Isolde und Udo sich einen Siebensitzer zugelegt hatten, und Udo bereits alle Sitze bis auf Zwei ausgebaut hatte. Ich staunte also nicht schlecht, als ich mir das Auto ansah. Ich zählte zwölf Wäschekörbe voll mit Einkäufen! Ja, zwölf. Also große Körbe.

Ich war mit Udo dabei, die Ware gleich mal ins Haus zu tragen. Dabei war ein Korb voller Brot. Kein Brot vom Bäcker, sondern abgepackt und schon in Scheiben geschnitten. Außerdem trug ich einen Wäschekorb voller roter Paprika und Brokkoli.Der Korb,der ausschließlich mit Wurst und Käseaufschnitt gefüllt war, konnte weder ich, noch Udo alleine tragen und wir mussten ihn gemeinsam schleppen.

Im Haus ergab sich ein mir unbekanntes Bild von wirklich viel Essen in einem wirklich sehr kleinen Raum. Isolde begann sofort das Brot in Portionen zu drei Scheiben in Gefrierbeutel zu packen und setzte Wasser auf, um die gefühlten Tonnen Brokkoli zu blanchieren.

„Udo, schalte bitte die dritte Gefriertruhe an!“ schrie Isolde ihrem Mann zu, der gerade die letzten Reste PET Limo aus dem Wagen hievte. Moment mal. Drei Gefriertruhen?

Als ich Udo darauf ansprach, führte er mich in einen Raum des Hauses, der mir bisher unbekannt war. In dem Raum befanden sich tatsächlich drei zwei Meter hohe, stehende Gefrierschränke.

Ich staunte nicht schlecht, als Isolde nach drei Stunden Arbeit alle Einkäufe in drei Truhen verteilt hatte und sagte: „Kinder, bin ich froh, dass das wieder gemacht ist!“

 

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